Interview mit einer Leeranerin

Das folgende Interview mit einer Frau aus Leer fand am 12. August 2009 in Leer statt. Um den Schutz der Persönlichkeitsrechte der Interviewpartnerin gewährleisten zu können, werden im Folgenden keine Hinweise bezüglich ihrer Identität veröffentlicht und die Interviewpartnerin lediglich als "Ulla" (nicht der reale Name der Interviewpartnerin) bezeichnet.

Red: Hallo Ulla, Sie wohnen ja schon eine ganze Weile hier in Leer. Darf ich Ihnen ein paar Fragen über Ihre Heimatstadt stellen?

Ulla: Ja, das können Sie machen. Aber zuerst muß ich Sie darauf hinweisen, daß wir Leeraner "Leer" etwas anders aussprechen, als Sie das eben gemacht haben.
Ein echter Leeraner sagt nämlich "Lär" nicht "Leer". Also mit einem langgestrecktem "Ä".

Red: Interessant, auch wenn ich finde, daß sich "Lär" nicht wirklich schön anhört. Aber jetzt was anderes, wie finden Sie denn Ihre Heimatstadt, Ulla?
Ulla: Ich fühle mich wohl hier, Leer ist doch eine schöne kleine Stadt. Ich kann natürlich nicht objektiv sein, aber ich finde von allen ostfriesischen Städten hat Leer die schönste Innenstadt.

Red: Ja, die Innenstadt hier in Leer finde ich persönlich auch recht attraktiv. Wenn man sich hier so umsieht, scheinen ja auch recht viele Menschen dieser Ansicht zu sein, es ist ja ganz schön viel Betrieb hier. Das liegt sicher daran, daß jetzt gerade Urlaubszeit ist, oder ist in Leer immer so viel Betrieb?
Ulla: In der Sommerzeit ist immer etwas mehr los hier, aber Urlauber haben wir hier gar nicht so viele. Jedenfalls keine Urlauber, die hier in Leer ihren Urlaub verbringen. Die meisten kommen hier nur für einen Tag her, schauen sich die Stadt an oder sind zum Einkaufen hier.

Red: Und im Winter? Ist Leer dann wie ausgestorben?
Ulla: Nein, etwas ist hier immer los. Und Ausflügler kommen eigentlich das ganze Jahr über. Und wenn mal wieder ein Kreuzfahrtschiff über die Ems überführt wird, dann ist hier enorm viel los, und zwar völlig unabhängig von der Jahreszeit. Dann kommen die Leute aus ganz Deutschland her, um sich das Spektakel anzuschauen.

Red: Ja, das kann ich mir allerdings gut vorstellen. Das ist sicher auch ein Erlebnis der ganz besonderen Art, wenn so ein riesiges Schiff durch den schmalen Fluß fährt.
Ulla: Ja, auf jeden Fall. Man sollte an diesen Tagen allerdings recht früh an der Ems sein, um sich noch einen guten Platz aussuchen zu können. Mir persönlich sind dann manchmal etwas zu viele Menschen hier.

Red: Das glaube ich Ihnen. Aber so oft kommt das ja nun auch sicher nicht vor, daß ein Kreuzfahrtschiff überführt wird. Gibt es denn sonst noch irgendwelche Besonderheiten in Leer, die Besucher anziehen?
Ulla: Ja, bei unserem jährlichem "Galli Markt" kommen auch immer viele Auswärtige. Und dann haben wir ja noch unsere ganzen Holländer hier.

Red: Wie darf man das verstehen?
Ulla: Ja, Leer ist nach der niederländischen Grenze die erste etwas größere Stadt auf deutschem Gebiet und liegt zudem noch direkt an der Autobahn, die über die Grenze führt, und da machen halt sehr viele Holländer hier Halt, wenn sie in Deutschland unterwegs sind. Besonders, wenn in Holland irgendein Feiertag ist, den es in Deutschland nicht gibt, dann sind enorm viele Holländer hier, weil sie hier dann in Ruhe einkaufen können.
Red: Und, stört Sie dieser Andrang an solchen Tagen.
Ulla: Nein, überhaupt nicht, die Holländer sind ja meistens sehr nett.

Red: So, Ulla, bislang haben Sie ja eigentlich nur Positives über Ihre Heimatstadt Leer berichtet. Gibt es denn auch etwas, was Sie an Ihrer Stadt nicht mögen?
Ulla: Also, da gibt es höchstens Kleinigkeiten. Daß es manchmal etwas schwer ist, einen Parkplatz in der Innenstadt zu bekommen, daß unser Wetter hier oft so schlecht ist und solche Kleinigkeiten halt. Aber insgesamt fühle ich mich sehr wohl hier und würde auch nur ungern wegziehen.

Red: Na, dann wünsche ich Ihnen, daß Sie nie in der Verlegenheit kommen, Ihre Heimatstadt verlassen zu müssen und bedanke mich noch, daß Sie mir meine Fragen so nett beantwortet haben.

Die Ems entlang nach Leer
Das Dorf: Petkum
Das Emssperrwerk in Gandersum
Oldersum im Landkreis Leer
Die Stadt Leer
Interview mit einer Leeranerin